Besorgniserregende „Fake News“: Jugendliche kaufen mehr Produktfälschungen

Mehr als jeder dritte Jugendliche in Europa kauft vorsätzlich gefälschte Produkte, zeigt eine aktuelle Studie des Amtes der Europäischen Union für Geistiges Eigentum (EUIPO). Der Anteil der Käufer von Fälschungen hat sich damit zuletzt mehr als verdoppelt. Neben der Covid-19-Pandemie scheint ein weiterer wichtiger Grund die allgemein gestiegene Akzeptanz für ein derartiges Konsumverhalten in dieser Altersgruppe zu sein.

Ergebnisse der Studie

Die Ausgabe 2022 des Jugendbarometers zum Thema Geistiges Eigentum, die kürzlich vom EUIPO veröffentlicht wurde (abrufbar unter https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/web/observatory/ip-youth-scoreboard ), bietet einen aktuellen Überblick über das Verhalten junger Menschen in der Europäischen Union im Alter von 15-24 Jahren im Hinblick auf Verletzungen von Rechten des Geistigen Eigentums.

Deutlich wird, dass junge Europäer zunehmend gefälschte Produkte kaufen und nach wie vor auf raubkopierte Inhalte zugreifen. So gab mehr als die Hälfte (52 %) der Teilnehmer der Studie an, im letzten Jahr mindestens ein gefälschtes Produkt wissentlich oder versehentlich online gekauft zu haben. Der Anteil der befragten Jugendlichen, die ganz bewusst mindestens einmal eine Fälschung gekauft haben, stieg dabei von 14 % im Jahr 2019 auf nunmehr 37 % an und hat sich somit mehr als verdoppelt. Bei den gefälschten Produkten, die diese Zielgruppe am häufigsten wissentlich kaufen, handelt es sich um Kleidung und Accessoires (17 %), gefolgt von Schuhen (14 %), elektronischen Geräten (13 %) und Hygieneartikeln, Kosmetika, Körperpflegemitteln und Parfüm (12 %).

Die Hauptbeweggründe für den Kauf von Plagiaten oder die Nutzung illegaler Inhalte sind nach wie vor der geringere Preis und die einfache Auffindbarkeit bzw. Bestellbarkeit dieser Produkte. Ein weiterer wichtiger Faktor sind jedoch zunehmend auch eine gewisse Gleichgültigkeit der Verbraucher sowie der Einfluss von Gleichaltrigen und der Gesellschaft im Allgemeinen – so verwies jeder zehnte Befragte auf Empfehlungen von Influencern oder berühmten Personen. Abschreckend wirken vornehmlich die Furcht vor einem möglichen Missbrauch von Kreditkartendaten, fehlenden Produktgarantien oder Erstattungen sowie mögliche Gesundheitsrisiken.

Fazit

Die Studie des Unionsamtes liefert wichtige Einblicke in das Konsumverhalten einer wesentlichen Verbrauchergruppe und kann Unternehmen damit wichtige Hilfestellungen im Kampf gegen Produktpiraterie bieten.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen einmal mehr, wie wichtig ein adäquater Schutz des Geistigen Eigentums für Unternehmen ist. Neben einer umfassenden Schutzrechtsstrategie und -verteidigung kann dabei vor allem auch eine gezielte Markenkommunikation entscheidende Vorteile bieten, um Käufern zu helfen, Fälschungen zu vermeiden, und auch um die Nachfrage nach Plagiaten zu senken, da es gerade bei Jugendlichen häufig noch am Bewusstsein für die Schäden und die Risiken fehlen dürfte, die das Phänomen der Produktpiraterie verursacht.

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Britta Iris Lissner, LL.M.

Britta Iris Lissner, LL.M.

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