Corona und der Sport – Kurzarbeit im Fußball

Die Corona-Krise betrifft auch den Sport und den Fußball. Ausgesetzte Wettbewerbe, eine verschobene Europa-Meisterschaft, Fußballer im „Home Office“ – all dies grassiert dieser Tage durch die Medien und war vor wenigen Wochen noch unvorstellbar. Doch ist es auch für Fußballvereine denkbar, auf Kurzarbeit umzustellen und Kurzarbeitergeld zu beantragen?

Kurzarbeit möglich

Generell gilt für Profi- aber auch Amateurfußballer, die in einem Arbeitsverhältnis zu einem Fußballverein stehen, nichts anderes als für alle anderen Arbeitnehmer auch: Der Fußballverein, der die Spieler beschäftigt, kann mit den Spielern Kurzarbeit vereinbaren. Hierzu bedarf es jedoch, da kein Betriebsrat besteht, einer Vereinbarung mit jedem einzelnen Spieler.

Aus Deutschland ist jedenfalls aus der 3. Liga eine Vielzahl von Fällen bekannt. Meist bezieht sich dies allerdings nur auf die sonstigen Mitarbeiter des Vereins, nicht auf die Spieler.

Dass Kurzarbeit insbesondere für die Mitarbeiter und nicht die Spieler der Vereine eingeführt wird, hat einen einfachen Hintergrund: Fußballer erhalten, jedenfalls in den ersten beiden Profi-Ligen in Deutschland, in aller Regel einen Bruttomonatslohn, der weit über der Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Arbeitslosenversicherung liegt (Westdeutschland: 6.900,00 € brutto/monatlich; Ostdeutschland bei 6.450,00 € brutto/monatlich).

Kurzarbeit und „Kurzarbeit null“

Für das weitere Verständnis ist es wichtig zwischen Kurzarbeit und sog. „Kurzarbeit null“ zu unterscheiden. „Kurzarbeit“ ist das vorübergehende Absenken der regelmäßigen Arbeitszeit unter gleichzeitiger Reduzierung des Entgelts bei anschließender Rückkehr zum ursprünglichen Arbeitszeitumfang. „Kurzarbeit null“ stellt die vollständige Herabsenkung der Arbeitszeit auf „null“ dar, der Arbeitnehmer schuldet dann keinerlei Arbeitsleistung mehr und erhält auch kein Arbeitsentgelt, sondern ggf. nur noch Kurzarbeitergeld.

Teilweise Herabsenkung der Arbeitszeit und Kurzarbeitergeld

Kurzarbeitergeld wird nur gewährt, wenn die Verringerung der Arbeitszeit und die Verringerung des monatlichen Lohns dazu führen, dass der Spieler mit seinem Bruttomonatslohn unter die o. g. Beitragsbemessungsgrenze fällt. Dies gilt dann auch nur für 60 % bzw. 67 % der Differenz zwischen dem Nettoentgelt, das dem Wert der Beitragsbemessungsgrenze entspricht (Soll-Entgelt), und der Nettosumme, die der Spieler weiterhin von seinem Verein erhält (Ist-Entgelt).

Bei einer Vielzahl von Arbeitsverhältnissen in der 1. und 2. Liga wird daher eine teilweise Reduzierung der Arbeitszeit nicht dazu führen, dass Spieler einen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben, da ihr restlicher Bruttomonatslohn über der Beitragsbemessungsgrenze liegen wird. Zudem wird es auch praktisch schwierig zu bestimmen sein, um welchen Prozentwert sich die Arbeitszeit eines Spielers durch „Home-Office“ oder reine Trainingsarbeit reduziert.

„Kurzarbeit null“ und Kurzarbeitergeld

Ein Anspruch der Spieler auf Kurzarbeitergeld bestünde allerdings bei „Kurzarbeit null“, da der Spieler in diesem Fall kein Arbeitsentgelt mehr erhält. Auch hier ist allerdings zu beachten, dass jeder Cent, den ein Fußballer im Normalfall über 6.900,00 € brutto/monatlich verdienen würde, bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes nicht berücksichtigt wird. Das heißt, dass ein Fußballer nicht 60 % oder 67 % seines Nettogehaltes erhält, sondern nur 60 % oder 67 % des Nettobetrages von 6.900,00 € bzw. 6.450,00 € brutto.

Kurzarbeit für Spieler und Vereine zweckmäßig?

Die Vereine hätten bei der Einführung von Kurzarbeit erhebliche Vorteile, da diese ihre Lohnkosten sofort und erheblich senken könnten.

Dennoch ist die Einführung von Kurzarbeit in den ersten beiden Profiligen aufgrund der Interessen der Spieler nicht abzusehen. Die Einführung von Kurzarbeit würde bei einem Fußballer der 1. und 2. Liga zu einem – jedenfalls verhältnismäßig – erheblicheren Einschnitt führen als bei einem „Normal-Arbeitnehmer“. Natürlich verbliebe es selbst bei „Kurzarbeit null“ dabei, dass ein Spieler der 1. oder 2. Liga den Maximalsatz des Kurzarbeitergeldes erhalten würde. Bei einer nur teilweisen Herabsenkung der Arbeitszeit würden Spieler der 1. und 2. Liga wohl auch mit ihrem Restgehalt über der Beitragsbemessungsgrenze liegen. Dennoch dürfte kein Spieler einen solch erheblichen Gehaltseinschnitt freiwillig hinnehmen. Die teilweise aktuell kommunizierten Gehaltsverzichte einzelner Spieler stellen keine Folge der Kurzarbeit dar.

Für die 3. Liga und für die Amateurvereine dürfte Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld aufgrund der erheblich geringeren Gehälter allerdings eine denkbare Variante darstellen, insbesondere wenn die Vereine das Kurzarbeitergeld aufstocken.