EU-Kommission will den Binnenmarkt für Online-Angebote stärken
Die Europäische Kommission hat am 04.01.2008 ein Strategiepapier zur Förderung kreativer Online-Inhalte im Binnenmarkt angenommen
Der Verkauf und die Verbreitung von hochwertigen "kreativen" Online-Inhalten stellen einen bedeutenden Strukturwandel für den europäischen Inhalte-Markt dar. Während Berichten zufolge der Online-Anteil im Musikmarkt in einigen europäischen Ländern wie Großbritannien bereits 25% erreicht, sind Video on demand und Fernsehen via Internet bisher noch ein im Entstehen begriffener Markt. Hochwertige "kreative Online-Inhalte" umfassen auch Hörfunk, Online-Spiele, Online-Publikationen und Bildungsinhalte. Neue Marktentwicklungen ergeben sich auch aus dem Web 2.0, d.h. von Nutzern selbst erzeugte Inhalte, die die Nutzer selbst eventuell gegen unbefugte Weiterverwendung schützen wollen.
Die Kommission konsultierte die Öffentlichkeit zu diesen Fragen im Jahre 2006. Auf der Grundlage dieser Konsultation sieht die Kommission ein Bedürfnis, den europäischen Markt für Inhalte und den Einfluss der Nachfrage europäischer Verbraucher auf diesen Markt zu stärken.
In der "Mitteilung über kreative Online-Inhalte im Binnenmarkt" ermittelt die Kommission vier wichtige bereichsübergreifende Herausforderungen, die Maßnahmen auf EU-Ebene erfordern:
1. Verfügbarkeit kreativer Inhalte
Die Inhaber kreativer Inhalte sträuben sich manchmal dagegen, ihre Inhalte für eine Online-Verwertung zur Verfügung zu stellen. Zu den Gründen hierfür zählen die Angst vor illegalen Downloads und "Online-Piraterie". Darüber hinaus ergeben sich EU-weit große Schwierigkeiten bei der Festlegung von Geschäftsbedingungen zwischen Rechteinhabern und Online-Verwertern kreativer Inhalte. Daher fordert die Kommission die Beteiligten dringend auf, innovative und kooperative Möglichkeiten zu finden, den Markt für Online-Inhalte zu nutzen.
2. Das Fehlen gebietsübergreifender Urheberrechtslizenzen
Das Fehlen derartiger Lizenzen - die die Nutzung der Inhalte in mehreren oder allen EU-Mitgliedstaaten erlauben würden - erschwert die Nutzung der Online-Dienste innerhalb Europas und des Vorteils von Größeneffekten. Während die Rechteinhaber den möglichen kommerziellen Nutzen einer gebietsübergreifenden Lizenzierung beurteilen müssen, ist es grundlegend erforderlich, auch aus Verbrauchersicht, die bestehenden Lizenzierungsmechanismen zu verbessern.
3. Interoperabilität und Transparenz der Systeme zur Verwaltung digitaler Rechte (DRM-Systeme)
Technologien, die die Verwaltung von Rechten und die faire Entlohnung von Urhebern in einer online Umgebung unterstützen, können eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle sein. Lang andauernde Diskussionen der Akteure haben bisher die Anwendung interoperabler und benutzerfreundlicher DRM-Lösungen verhindert. Die Kommission will daher einen Rahmen für die Transparenz von DRM-Systemen bezüglich Interoperabilität verschiedener DRM-Systeme festlegen, und sicherstellen, dass der Verbraucher angemessene Informationen über Nutzungsbeschränkungen heruntergeladener Inhalte und die Interoperabilität verwandter Online-Dienste erhält.
4. Legale Angebote und Piraterie
Piraterie, einschließlich des nicht autorisierten Bereitstellens und Herunterladens urheberrechtlich geschützter Inhalte, ist nach wie vor ein zentrales Problem. Die Kommission beabsichtigt, Kooperationsverfahren („Verhaltenskodex“) zwischen Zugangs-/Diensteanbietern sowie Rechteinhabern und Verbrauchern anzuregen, um nicht nur ein breites Angebot attraktiver Online-Inhalte, sondern auch einen angemessenen Schutz urheberrechtlich geschützter Werke sowie eine enge Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Piraterie bzw. der nicht autorisierten Weitergabe von Dateien sicherzustellen.
Mit der Mitteilung „Kreative Online-Inhalte in Europas Binnenmarkt“ leitet die Kommission gleichzeitig eine öffentliche Konsultation zur Vorbereitung - bis Mitte 2008 - der Verabschiedung einer Empfehlung über kreative Online-Inhalte durch den Rat und das Europäische Parlament ein.
(Quelle: Pressemitteilung vom 04.01.2008)
Der Gesamttext der Mitteilung über kreative Online-Inhalte im Binnenmarkt findet sich in der deutschen Fassung unter:
http://ec.europa.eu/avpolicy/docs/other_actions/col_de.pdf
Erscheinungsdatum: 11.01.2008

